Öffentliches Trauern

anhand von zwei aktuellen Beispielen

Corona-Gedenkfeier am 18.04.2021

vgl. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/corona-gedenken-101.html

„Es geht um ein gemeinsames Innehalten, ein Miteinander im Leid, um Trost. Bundestagspräsident Schäuble wird coronabedingt einer von nur wenigen Teilnehmern im Konzerthaus sein – neben den anderen Spitzen der fünf Verfassungsorgane, von der Kanzlerin bis zum Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Schäuble sagt, man habe es auch nach Terroranschlägen gesehen: Ein gemeinsamer symbolischer Akt könne durchaus Trost stiften.“

„Musik, Kerzen, Worte von Hinterbliebenen und die Rede des Bundespräsidenten sind Teil der zentralen Trauerfeier. Sie folgt auf einen ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Gedächtniskirche am Vormittag mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Der sagt: „Es gibt auch so etwas wie öffentliche Seelsorge.“ Die Sterbezahlen seien so dramatisch, dass es ein solches Gedenken brauche. Es trauere eine ganze Gesellschaft um viel zu viele Tote.“

Gemeinsam Trauern kann helfen

Viele Menschen haben viel verloren, sagt Alena Buyx, die Vorsitzende des Ethikrates, dem ARD-Hauptstadtstudio. Sie verweist auf Trauerforschung und psychologische Untersuchungen. Die machten deutlich: Ein gemeinsames und dadurch sichtbares Trauern könne den Betroffenen helfen. Sie jedenfalls glaube, dass das vielen Menschen guttun werde „und dass es auch uns als Gesellschaft guttun kann.“

Brysch stellt die Frage, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für das Gedenken sei. Schließlich sei Deutschland leider noch weit von einem Ende der Krise entfernt. Aus dem Bundespräsidialamt heißt es dazu, gut ein Jahr nach Beginn der Pandemie habe Steinmeier ein Zeichen setzen wollen.

Städte und Bundesländer sowie die Kirchen werden sich am Gedenken beteiligen. So will man Kerzen aufstellen und Blumen niederlegen, Kirchenglocken werden läuten. Miteinander innehalten – ganz im Sinne Steinmeiers. „Um gemeinsam zu sagen: Ihr werdet nicht vergessen, und um den Hinterbliebenen eine Stimme zu geben und sagen: Ihr seid nicht allein in ihrem Leid, nicht allein in eurer Trauer.“

… so machen sie es zum Beispiel in Bietigheim-Bissingen

Trauerfeier für Prinz Philipp am 17.04.2021

vgl. https://www.tagesschau.de/ausland/prinz-philip-beisetzung-103.html


Mein Kommentar

Beide Trauerfeiern machen sichtbar, wie öffentliches Trauern gehen kann. Sie sind damit durchaus auch stilbildend. Vor allem aber prägen sie Bilder für zahlreiche Menschen, die sich bisher wenig oder gar nicht damit befasst haben, wie ihr persönliches Trauern aussehen könnte.

Das fällt mir auf:
Öffentliche Zeremonien haben Stil.

„Weniger ist mehr“ – wir haben ein feiens Gespür dafür, wenn Worte zu viel oder zu allgemein werden. Insbesondere die Kommentatoren sind hier nach wie vor stilbildend. Sie verstehen es, die Zuschauer gut mitzunehmen.

Bilder und Inszenierungen berühren – oder auch nicht. Das gilt vor allem für erwartbare Bilder oder auch erwartbare Sätze (z.B. Predigten bei der ökumensichen Feier).

Persönliche Erfahrungen öffentlich gemacht eröffen Wertschätzung und Wahrgenommen-Sein (besonders gut zu beobachten bei der Eröffnungsrede von Bundespräsident Steinmeier).

Orte und Gesten helfen.

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