GUTE TEXTE

Eine Sammlung, die ständig weiter wächst …

On The Death Of The Beloved
By John O’Donohue

Though we need to weep your loss,
You dwell in that safe place in our hearts,
Where no storm or night or pain can reach you.

Your love was like the dawn
Brightening over our lives
Awakening beneath the dark
A further adventure of colour.

The sound of your voice
Found for us
A new music
That brightened everything.

Whatever you enfolded in your gaze
Quickened in the joy of its being;
You placed smiles like flowers
On the altar of the heart.

Your mind always sparkled
With wonder at things.

Though your days here were brief,
Your spirit was live, awake, complete.

We look towards each other no longer
From the old distance of our names;
Now you dwell inside the rhythm of breath,
As close to us as we are to ourselves.

Though we cannot see you with outward eyes,
We know our soul’s gaze is upon your face,
Smiling back at us from within everything
To which we bring our best refinement.

Let us not look for you only in memory,
Where we would grow lonely without you.
You would want us to find you in presence,
Beside us when beauty brightens,
When kindness glows
And music echoes eternal tones.

When orchids brighten the earth,
Darkest winter has turned to spring;
May this dark grief flower with hope
In every heart that loves you.

May you continue to inspire us:

To enter each day with a generous heart.
To serve the call of courage and love
Until we see your beautiful face again
In that land where there is no more separation,
Where all tears will be wiped from our mind,
And where we will never lose you again.

Aus Anam Cara
John O’Donohue

An dem Tag, an dem
die Last auf deinen Schultern
unerträglich wird
und du strauchelst,
möge die Erde tanzen,
dir das Gleichgewicht wiederzugeben.

Und wenn deine Augen
hinterm grauen Fenster
zu Eis erstarren
und das Gespenst des Verlustes
sich in dich einschleicht,
möge ein Schwarm von Farben,
Tiefblau, Rot, Grün
und Azur, herbeikommen,
dich auf einer Au der Freude
aufzuwecken.

Wenn die Leinwand der currach *
Des Denkens spröde wird
Und ein Fleck Ozean
Schwarz unter dir wächst,
möge ein Pfad gelbem Mondlichts
sich über die Wellen legen
dich sicher ans Ufer zu führen.

Möge Nahrung der Erde dein sein,
möge Klarheit des Lichts dein sein,
möge das Wasser des Ozeans dein sein,
möge der Schutz der Ahnen dein sein.

Und möge ein sanfter
Wind diese Worte
Der Liebe um dich schmiegen, wie einen
Unsichtbaren Mantel,
der dein Leben behüten soll.

*(currach = irisches Fischerboot)

Die Perle

Eine Auster sprach zu ihrer Nachbarin:“ Ich trage großen Schmerz in mir. Schwer ist er und rund, und ich habe große Not.“
Die andere Auster antwortete mit überheblicher Selbstzufriedenheit:“ Gelobt sei der Himmel und das Meer, denn ich habe keine Schmerzen. Es geht mir gut, innen und außen.“
In diesem Augenblick kam ein Krebs vorbei und hörte die beiden Austern. Daraufhin sagte er zu derjenigen, die innen und außen unversehrt war:“ Ja, dir geht es wohl gut; doch der Schmerz, den deine Nachbarin in sich trägt, ist eine Perle von hinreißender Schönheit.“

Khalil Gibran

Der Tod hat keine Bedeutung-ich bin nur nach nebenan gegangen.
Ich bleibe, wer ich bin, und auch ihr bleibt dieselben zusammen.
Was wir einander bedeuten, bleibt bestehen.
Nennt mich bei meinem vertrauten Namen.
Sprecht in der gewohnten Weise mit mir und ändert euren Tonfall nicht!
Hüllt euch nicht in Mäntel aus Schweigen und Kummer-
lacht wie immer über kleine Scherze, die wir teilen.
Wenn ihr von mir sprecht, tut es ohne Reue und ohne jegliche Traurigkeit.
Leben bedeutet immer nur Leben-es bleibt so bestehen-immer-ohne Unterbrechung.
Ihr seht mich nicht, aber in Gedanken bin ich bei euch-
irgendwo, ganz in der Nähe- nur ein paar Straßen weiter.

Henry Scott Holland (1847-1918)

weißt du eigentlich,
wie lieb ich dich hab?

der kleine hase sollte ins bett gehen,
aber er hielt sich noch ganz fest an den
langen ohren des großen hasen.

der kleine hase wollte nämlich ganz sicher sein, dass der große hase ihm auch gut zuhörte.
„rate mal, wie lieb ich dich hab“ sagte er.

“ oh“ sagte der große hase,
„ich glaube nicht, das ich das raten kann“
„so sehr“, sagte der kleine hase und breitete seine Ärmchen aus,
soweit er konnte.
der große hase hatte viel längere arme.
„aber ich hab dich sooo sehr lieb“ sagte er.
hm, das ist viel , dachte der kleine hase.
“ ich hab dich lieb, so hoch ich reichen kann“, sagte der kleine hase.
„ich hab dich lieb, so hoch ich reichen kann, sagte der große hase.
das ist ziemlich hoch, dachte der kleine hase.
wenn ich nur auch so lange arme hätte.
dann hatte der kleine hase eine gute idee. er machte einen handstand und streckte die füße am baum hoch.
“ bis zu meinen zehen hoch hab ich dich lieb“, sagte er.
„und ich hab dich bis zu deinen zehen hoch lieb“, sagte der große hase und schwang den kleine hasen in die luft.
„ich hab dich so hoch wie ich hüpfen kann lieb!“sagte der kleine hase lachend…
….und hüpfte auf und ab.
„aber ich hab dich lieb, so hoch wie ich hüpfen kann“,
sagte der große hase lächelnd und hüpfte so hoch, dass seine ohren die zweige berührten.
tolle hüpferung, dachte der kleine hase. wenn ich auch nur so hüpfen könnte.
“ ich hab dich den ganzen weg bis zum fluss runter lieb“. sagte der kleine hase.
„ich hab dich bis zum fluss und über die berge lieb“,
sagte der große hase.
Oh, das ist sehr weit, dachte der kleine hase. er wahr schon so müde, dass er sich gar nichts mehr ausdenken konnte.
dann schaute er über die büsche und bäume hinaus in die große, dunkle nacht. es konnte ja wohl nichts weiter weg geben als den himmel.
„ich hab dich lieb bis zum mond“, sagte der kleine hase und machte die augen zu.
“ oh, das ist weit“, sagte der große hase. „das ist sehr, sehr weit.“
der große hase legte den kleinen hasen in sein blätterbett,
beugte sich über ihn und gab ihm einen gutenachtkuss.

Dann kuschelte sich der große hase an den kleinen hasen und flüsterte lächelnd:“bis zum mond…
….und wieder zurück haben wir uns lieb.“

Sam McBratney/Anita Jeram

Beim Tode Nahestehender

Nun bevölkert sich das hohe Drüben
langsam für den alternden Gefährten
und ermahnt ihn, liebe Pflicht zu üben.

Was sie hier vielleicht ihm nicht gewährten:
dass er ihnen helfen durfte leise,
zart befruchtend ihrer Seele Zärten,

darf er jetzt in geistigerer Weise.
Darf ins Labyrinth der Geister ihnen
folgen und auf ihrer Geisterreise

durch Gedanken und Gefühle dienen.

Christian Morgenstern

Zwischen Weinen und Lachen

Zwischen Weinen und Lachen
schwingt die Schaukel des Lebens.
Zwischen Weinen und Lachen
fliegt in ihr der Mensch.

Eine Mondgöttin
und eine Sonnengöttin
stoßen im Spiel sie
hinüber, herüber.
In der Mitte gelagert:
Die breite Zone
eintöniger Dämmerung.

Hält das Helioskind
schelmisch die Schaukel an,
übermütige Scherze,
weiche Glückseligkeit
dem Wiege-Gast
ins Herz jubelnd,
dann färbt sich rosig,
schwingt er zurück,
das graue Zwielicht,
und jauchzend schwört er
dem goldigen Dasein
dankbare Treue.

Hat ihn die eisige Hand
der Selenetochter berührt,
hat ihn ihr starres Aug,
Tod und Vergänglichkeit redend,
schauerlich angeglast,
dann senkt er das Haupt,
und der Frost seiner Seele
ruft nach erlösenden Tränen.
Aschfahl und freudlos
nüchtert ihm nun
das Dämmer entgegen.
Wie dünkt ihm die Welt nun
öde und schal.

Aber je höher die eine Göttin
die Schaukel zu sich emporzieht –
je höher
schießt sie auch drüben empor.
Höchstes Lachen
und höchstes Weinen,
eines Schaukelschwungs
Gipfel sind sie.

Wenn die Himmlischen endlich
des Spieles müde,
dann wiegt sie sich
langsam aus.
Und zuletzt
steht sie still
und mit ihr das Herz
des, der in ihr saß.

Zwischen Weinen und Lachen
schwingt die Schaukel des Lebens.
Zwischen Weinen und Lachen
fliegt in ihr der Mensch.

(Christian Morgenstern)

Gebet „Da, wo Du wohnst …“

Gott,

nimm meine unruhige Seele behutsam in die Hand
und führe mich in die Gegenwart.

Ins Jetzt mit jedem Atemzug.

Da wo du wohnst, da finde ich Frieden
für meine Fragen und Wunden der Vergangenheit.

Da, wo du wohnst, da finde ich Hoffnung
für die Sorgen und Ungewissheit in der Zukunft.

Und irgendwo dazwischen,
lege ich meine Hand aufs Herz
und spüre:

Ich lebe.
Da, wo du wohnst.

Amen.

was übrig bleibt

ich wünschte
wie bescheiden du warst

ich wünschte
du wärst verschwenderischer
mit deinem Leben umgegangen

hättest mit vollen Händen
daraus geschöpft
ihm laut und fordernd alles abgetrotzt

dann bliebe jetzt
nicht so viel ungelebtes es von dir übrig

Einwilligung

Der Trost hat mich gefragt,
ob ich bereit bin,
durch den Schmerz hindurchzugehen,
anstatt ihn zu umkreisen,
und ob ich meinen Finger
so lange in die Wunde lege,
bis ich das Unversehrte darin fühlen kann.

Er hat mich gefragt,
ob ich mich halten lassen werde
von Armen, die nichts je wieder
in Ordnung bringen,
und ob ich schweigen kann,
bis irgendwann wie warmer Atem
ein gutes Wort mich streift.

Er hat mich gefragt,
ob ich mich bücken werde
zur kleinen blauen Blüte am Wegesrand,
ob ich Kirschen von den höchsten Ästen pflücke
und ob ich es ertragen kann,
wenn mich am Abend
ein Glück ganz ohne Grund befällt.

Er hat mich gefragt,
ob ich erahne, dass ich auf nichts ein Anrecht habe,
auch nicht auf die Untröstlichkeit,
weil sich in jedem Augenblick
das Leben selbst an mich verschenkt,
ohne zu zögern und ohne Maß.

Wie eine, die noch in die Weite
dieses Wortes wachsen muss,
sagte ich Ja.

(aus Giannina Wedde „Es wächst ein Licht in deinem Fehlen“, Vier-Türme-Verlag 2019)

Christina Stürmer – Du fehlst hier

Wie jedes Jahr, wenn die Blätter fallen
Kommen wir zusammen
Und wir stoßen auf dich an
Von Jahr zu Jahr, wächst der Tisch
Denn alle sind dabei
Nur dein Platz bleibt immer frei
Ein Auge lacht, ein Auge weint
Wie ein Film ziehen die Erinnerungen vorbei
Ziehen an mir vorbei
Es tut überall weh, überall dort wo du jetzt fehlst
Du fehlst mir, du fehlst hier
Ich kann dich immer noch sehen immer noch hören wohin ich auch geh
Du fehlst mir, du fehlst hier
Du fehlst hierIch denk zurück, da war so viel Wärme, so viel Licht
So viel Liebe in deinem Blick
Die Zeit vergeht und ich hoffe nur es geht dir gut
Wo immer du jetzt bist
Das Licht ist aus, die Bilder bleiben
Wie ein Film ziehen die Erinnerungen vorbei
Ziehen an mir vorbei
Es tut überall weh, überall dort wo du jetzt fehlst
Du fehlst mir, du fehlst hier
Ich kann dich immer noch sehen immer noch hören wohin ich auch geh
Du fehlst mir, du fehlst hierIch seh dich im Spiegel
Ich seh dich in mir
Und dann fühlt es sich so an, als wärst du noch immer hier
Du fehlst hier
Es tut überall weh, überall dort wo du jetzt fehlst
Du fehlst mir, du fehlst hier
Ich kann dich immer noch sehen immer noch hören wohin ich auch geh
Du fehlst mir, du fehlst hier
Es tut überall weh, überall dort wo du jetzt fehlst
Du fehlst mir, du fehlst hier
Ich kann dich immer noch sehen immer noch hören wohin ich auch geh
Du fehlst mir, du fehlst hier
Du fehlst mir

Quelle: LyricFindSongwriter: Oliver Varga / Christina Stuermer / Johannes Walter MuellerSongtext von Du fehlst hier © BMG Rights Management

„Ein Elephant für Dich“ (Wir sind Helden)

Ich seh uns beide, du bist längst zu schwer
Für meine Arme, aber ich geb dich nicht her
Ich weiß, deine Monster sind genau wie meine
Und mit denen bleibt man besser nicht alleine
Und ich weiß, ich weiß, ich weiß und frage nicht
Halt dich bei mir fest, steig auf, ich trage dich
Ich werde riesengroß für dich
Ein Elefant für dich

Ich trag dich meilenweiter
Über’s Land
Und ich Trag dich so weit wie ich kann
Ich trag dich so weit wie ich kann
Und am Ende des Wegs, wenn ich muss
Trage ich dich
Trag ich dich über den Fluss


Einer der nicht sollte, weint am Telefon
Und eine die nicht wollte
Weint und weiß es schon
Deine Beine tragen dich nicht wie sie sollten
So oft gehen die Die noch nicht weg gehen wollten
Und ich weiß, ich weiß und ich ertrag es nicht
Halt dich bei mir fest, steig auf, ich trage dich

Ich werde riesengroß für dich
Ein Elefant für dich
Ich trag dich meilenweiter
Über’s Land
Und ich
Trag dich so weit wie ich kann
Ich trag dich so weit wie ich kann

Und am Ende des Wegs, wenn ich muss
Trage ich dich Ich trag dich so weit wie ich kann
Ich trag dich so weit wie ich kann
Ich trag dich so weit wie ich kann
Ich trag dich so weit wie ich kann
Und am Ende des Wegs, wenn ich muss
Trage ich dich
Trag ich dich über den Fluss

„Kostbarer Unterricht“

Jeder, der geht,
belehrt uns ein wenig
über uns selber.

Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.

Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,
nie wieder.

Was wüssten wir je
ohne sie?
Ohne die sicheren Waagen,
auf die wir gelegt sind,
wenn wir verlassen werden.

Diese Waagen, ohne die nichts
sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,
wir vergessen es.
Und sie?
Sie können ihre Lehre
nicht wiederholen.
Dein Tod und meiner
der nächste Unterricht:
so hell, so deutlich,
dass es gleich dunkel wird.

Hilde Domin (1909 – 2006)

AUF DEN TOD EINES KINDES (Hermann Hesse)

Jetzt bist du schon gegangen, Kind,
	Und hast vom Leben nichts erfahren,
	Indes in unseren welken Jahren
	Wir Alten noch gefangen sind.

	Ein Atemzug, ein Augenspiel,
	Der Erde Luft und Licht zu schmecken,
	War dir genug und schon zu viel;
	Du schliefest ein, nicht mehr zu wecken.

	Vielleicht in diesem Hauch und Blick
	Sind alle Spiele, alle Mienen
	Des ganzen Lebens dir erschienen,
	Erschrocken zogst du dich zurück.

	Vielleicht wenn unsre Augen, Kind,
	Einmal erlöschen, wird uns scheinen,
	Sie hätten von der Erde, Kind,
	Nicht mehr gesehen als die deinen.


Manchmal kennen wir Gottes Willen, manchmal kennen wir nichts.
Erleuchte uns, Herr, wenn die Fragen kommen.

Manchmal sehen wir Gottes Zukunft, manchmal sehen wir nichts.
Bewahre uns, Herr, wenn die Zweifel kommen.

Manchmal spüren wir Gottes Liebe, manchmal spüren wir nichts.
Begleite uns, Herr, wenn die Ängste kommen.

Manchmal wirken wir Gottes Frieden, manchmal wirken wir nichts.
Erwecke uns, Herr, daß dein Friede kommt.

Aus dem Buch des Predigers Kohelet, Kap.3, Verse 1-4, 5 + 6:

„Alles hat seine Stunde.
Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:

eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben,
eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen,
eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Aufbauen,
eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen,
eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz, …
eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren,
eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen,
eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden.“

FROHE BOTSCHAFT
nach Matthäus, Kap. 11, Verse 2-6
  (in einer Übersetzung von Fridolin Stier)

Der Täufer Johannes sitzt im Gefängnis und ist sich unsicher geworden, ob Jesus tatsächlich der ist, für den er ihn gehalten hat.

            „Als aber Johannes im Gefängnis von den   
            Taten des  Messias hörte, schickte er seine 
            Jünger, damit sie zu Jesus sprechen:
            Bist du ‘der Kommende’ ? Oder sollen wir       
            auf einen anderen warten ?

            Da hob Jesus an und sprach zu ihnen: Geht 
            und berichtet dem Johannes, was ihr hört 
            und erblickt:

            Blinde blicken auf und Krüppel gehen.
            Aussätzige werden rein und Taube hören.
            Tote werden erweckt und Armen wird die  
            Botschaft vom Heil gebracht.
            Selig ist, wer an mir kein Ärgernis nimmt.“

Gott ist mächtig.
Ist jemand unter uns, der seinem Lebensabend
entgegengeht und den Tod fürchtet ?
Warum diese Furcht ?

Gott ist mächtig !
Ist jemand unter uns, der über den Tod
eines geliebten Menschen verzweifelt ist ?
Warum verzweifeln ?

Gott kann die Kraft schenken,
das Leid zu tragen.
Sorgt sich jemand um seine schlechte Gesundheit ?
Warum sich sorgen ?

Komme, was mag. Gott ist mächtig !
Wenn unsere Tage verdunkelt sind
und unsere Nächte finsterer
als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken,
daß es in der Welt eine große,
segnende Kraft gibt, die Gott heißt.
Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.

Er will das dunkle Gestern
in ein helles Morgen verwandeln –
zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

(Martin Luther King)

VOM TOD

„…
Ihr möchtet das Geheimnis des Todes kennenlernen.
Aber wie werdet ihr es finden, wenn ihr es nicht im Herzen des Lebens sucht ? …
Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens.
Denn Leben und Tod sind eins, so wie der Fluß und das Meer eins sind.
In den Tiefen eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits;
Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.
Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen.

Denn was heißt sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen ?
Und was heißt nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann ?

Nur, wenn ihr vom Fluß der Stille trinkt, werdet ihr wirklich singen.
Und wenn ihr den Gipfel des Berges erreicht habt, dann werdet ihr anfangen zu singen.
Und wenn die Erde eure Glieder fordert, dann werdet ihr wahrhaft tanzen.


(aus: Khalil Gibran, Der Prophet)

„Meine Tochter,

höre noch einmal auf die Worte deiner Mutter. Sie hat dich unter Schmerzen geboren. Sie hat dich aufgezogen, nach besten Kräften und so gut sie es vermochte.
Als du klein warst, hat sie dich wie ihr eigenes Leben geliebt. Du hast ihr viel Freude geschenkt. Auf dich und deine Unterstützung setzte sie ihre Hoffnung für die Tage ihres Alters. Sie war immer überzeugt, vor dir das Ende des Lebenspfades zu erreichen.

Aber du bist zuvorgekommen. Unser großer und weiser Schöpfer hat es so gewollt. Es ist sein Wille, daß ich hier zurückbleiben und die Traurigkeit dieser Welt wieder auskosten muß.
Deine Freunde und Verwandten haben sich um dich versammelt, um dich ein letztes Mal zu sehen. Sie alle trauern, weil du von uns fortgegangen bist. Auch uns ist nur noch kurze Zeit geschenkt, bevor unsere eigene Reise zu ende geht. Jetzt müssen wir Abschied voneinander nehmen; du gehst dorthin, wo wir dich nicht sehen können. Aber bald werden wir uns nie mehr trennen.

Der Schöpfer hat dich zu sich heimgerufen; wir werden dir folgen.

Na-ho ! So sei es !
(Eine Irokesenmutter)

Du bist nicht tot,
sondern nur untergegangen wie die Sonne.
Wir trauern nicht wie über einen,
der gestorben ist, sondern wie über einen,
der sich vor uns verborgen hat.
Nicht unter den Toten suchen wir dich,
sondern unter den Seligen des Himmels.
(Theodoret von Kyros)

Erinnerungen sind wie kleine Steine, die in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

Komm, großer schwarzer Vogel, komm zu mir !
Spann deine weiten, sanften Flügel aus, und leg sie auf meine Fieberaugen !
Bitte, hol mich weg von da !

Jede Blüte will zur Frucht,
jeder Morgen Abend werden,
ewiges ist nicht auf Erden
als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Welke spüren.
Halte Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.
(Hermann Hesse)


Ich sterbe nicht, ich trete ins Leben ein. 
(Therese von Lisieux)

„Wechselnde Pfade,
Schatten und Licht.
Alles ist Gnade,
fürchte dich nicht“

(Alter Wegspruch)

Wir suchen das Licht,
das dem Dunkel standhält.

Wir suchen den Weg,
der zum Leben führt.

Wir suchen den Frieden,
den wir nicht haben.

Wir suchen die Wärme,
die Erstarrung löst.

Wir suchen die Nähe,
die Angst austreibt.

Wir suchen den Gott,
der mit uns ist.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Ihr werdet’s sehen, und euer Herz wird sich freuen. 

(aus Jesaja 66)





TOD-
das heißt:
wir sind am Ende.
Und wir fragen:
Was dann ?
Wir bitten:
Gott und Vater,
Herr
über Leben und Tod,
laß uns nicht
ins Nichts fallen,
sondern in
deine Arme.
LEBEN –
das heißt:
wir haben Zukunft.
Wir danken dir,
Gott und Vater,
Herr über Leben und Tod,
daß du
durch die Auferstehung Jesu
ein Hoffnungszeichen
gesetzt hast,
das dem Tod
keine Chance läßt.

Wenn zwei durch Wüsten gehen
Hand in Hand.
Schaut einer auf den Weg
daß der Fuß nicht strauchelt
der Andere auf zu den Sternen
um in der Nacht die Richtung
nicht zu verlieren.
So wie die Weisen folgen einem
Stern durch alle Äonen der
Zeiten.

Die gehen, wandeln sich.
Ach halte die nicht auf,
die Gott vollendet !
Doch wenn der eine
unverhofft
sich zu dir wendet –
sein Angesicht
wird dann das alte
nicht mehr sein.

Halte auch Dich nicht auf !
Saug das Verstorbene nicht ein !
Sterben endet.
Die Treue wächst.
Sie will dich wandeln.

Du gehst sehr allein. –
Jedoch
vom Tiefgeliebten ausgesendet –
erhellt auch dein Gesicht
der neue
auferstandene Schein.


(Kurt Wiegering)

Tod und Vergehen
waltet in allem,
steht über Menschen,
Pflanzen und Tieren,
Sternbild der Zeit.

Du hast ins Leben
alles gerufen.
Herr, dein Schöpfung
neigt sich zum Tode:
hole sie heim.

Schenke im Ende
auch die Vollendung.
Nicht in die Leere
falle die Vielfalt
irdischen Seins.

Herr, dein Pläne
bleiben uns dunkel.
Doch singen Lob wir
dir, dem dreieinen,
ewigen Gott. Amen.


(Hymnus aus der Totenvesper)

Der Regen fällt,
die Nebel zieh’n herauf !
Die leeren Schollen
sinken in ein Dämmermeer.
Nur schwarze Säulen
stehen lautlos da
im tiefen Schweigen.
Verlöscht ist das Singen,
verklungen das Licht !
Alles gleitet hinab
in die Finsternis !
Ein Sinken und Fallen
an allen Orten.
Wohin ?

Wo ist das Reich der Toten,
wenn uns Auferstehung
verheißen ist ?

Du guter Gott,
so kann doch nichts
ganz sinnlos sein.
Du bist ein Gott der offnen Arme,
und dahin laß fallen,
was in sich selbst nicht leben kann.

(Hanni Neubauer)

„Das Leben besteht aus Träumen, die oft von der Realität brutal zerstört werden. Die Kunst des Lebens mag darin bestehen, sich den Glauben an das Gute nicht nehmen zu lassen. Nur dann können in Zukunft Träume wahr werden.“





(Angesichts des Todes eines Kindes)

„Ich verstehe“, murmelte Paneloux (der Pater). „Es ist empörend, weil es unser Maß übersteigt. Aber vielleicht sollen wir lieben, was wir nicht begreifen können.“
Rieux (der Arzt) richtete sich mit einem Schlag auf. Mit der ganzen Kraft und Leidenschaft, deren er fähig war, schaute er Paneloux an und schüttelte den Kopf.
„Nein, Pater“, sagte er. „ich habe eine andere Vorstellung von der Liebe. Und ich werde mich bis in den Tod hinein weigern, die Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden.“
Ein bestürzter Schatten huschte über Paneloux’ Gesicht.
„Ach, Herr Doktor“, sagte er traurig, „eben habe ich erkannt, was Gnade heißt.“
Aber Rieux war von neuem auf seiner Bank zusammengesunken. Seine Müdigkeit war zurückgekehrt und ließ ihn sanfter antworten. „Die habe ich nicht, ich weiß. Aber ich will nicht mit ihnen darüber streiten. Wir arbeiten miteinander für etwas, was uns jenseits von Lästerung und Gebet vereint. Das allein ist wichtig.“
Paneloux setzte sich neben Rieux. Er schien bewegt.
„Ja“, sagte er, „ja, auch sie arbeiten für das heil der Menschen.“
Rieux versuchte zu lächeln.
„Das Heil der Menschen ist ein zu großes Wort für mich. Ich gehe nicht so weit. Mich geht ihre Gesundheit an, zuallererst ihre Gesundheit … Was ich hasse, ist der Tod und das Böse, das wissen Sie ja. Und ob sie es wollen oder nicht, wir stehen zusammen, um beides zu erleiden und zu bekämpfen.“

(Albert Camus, Die Pest)

„Ihr wißt, daß ich euren Glauben daran teile, daß es bei Gott kein Umsonst gibt: keine Liebe, die umsonst geschenkt wurde, kein Gedanke, keine Sorge, keine Geste der Zuneigung und Zärtlichkeit, kein Hoffen und bangen, nichts an guten Wünschen, das vor ihm in einen Abgrund fallen würde.“

(Hermann von Altshausen, Mönch auf der Reichenau und Verfasser des „Salve regina“; Krüppel und zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt – nach dem Tod seines Ziehvaters und Abtes Berno 🙂

… Wie Kinder weinen die Mönche um den Vater.
Die Trauer des Gelähmten ist so tief, daß er keine Tränen hat. Hat ihm der Verstorbene sein Schweigen hinterlassen ? Ein Gefühl der Leere durchdringt ihn und umgibt ihn. Es ist ihm zumute, als schwebe er in einem unendlichen Raum, der keine Grenze kennt, kein Hell und Dunkel, keinen Laut …
Irgendwie ist er ortlos geworden. In ihm regt sich keine Anklage gegen Gott, kein innerliches Auflehnen oder Aufbegehren. Er weiß den Vater daheim und geborgen. Hat er dafür sein Geborgensein opfern müssen ? Er glaubt weiter mit kindlicher Selbstverständlichkeit. Doch wo sind Gottes Hände, die ihn halten ? Er glaubt, aber fühlt nichts, gar nichts, was diesem Glauben Leichtigkeit und Freudigkeit verleihen würde.
Und es ist ihm so, als dringe er weiter, immer weiter in diesen Raum der unbegrenzten Einsamkeit vor, in das ungeheuerliche und undurchdringliche Schweigen; als falle er wie ein Meteor im Weltenraum. Menschen und Dinge rücken fort, werden seltsam wesenlos. Sie verblassen zu Schemen, die seine innere Einsamkeit nicht aufheben können.
In diesen Tagen werden die Haare des Fünfunddreißigjährigen weiß.
Tränenlos kauert er in seinem Rollstuhl an der Bahre des Abtes. Viele Stunden verbringt er im Münster, den Blick auf das Antlitz seines toten Abtes geheftet, die verkrümmten Hände gefaltet. Sein Gebet kennt nur die Worte: „Herr, ich danke dir, daß du ihm Frieden gabest.“
Aber seine Seele schwingt nicht mit. Er ist gesammelt; aber seine Sammlung ähnelt der Starre des Totenantlitzes.
Sind die Saiten seiner Harfe beim Tode des Herrn Berno gerissen ? Ist in ihm etwas gestorben, als der Vater starb ?

Widerspruchslos läßt er sich von Berthold in seine Zelle bringen. Er spricht, ißt, arbeitet, gibt sich liebenswürdig und hilfsbereit. Aber der junge Priestermönch horcht nachdenklich dem Klang seiner Stimme nach. Ist sie nicht irgendwie verändert ?

Berthold kann sich nicht erklären, warum Hermann keine Träne für den hat, den alle beweinen, selbst seine Gegner. Warum läßt er einen anderen Mönch den Nachruf auf Berno verfassen, der an die Klöster der Gebetsverbrüderung gesandt wird ? Spricht er nicht wie einer, der trotz der Logik seiner Worte nicht weiß, was er sagt und tut ?

Hermann gibt seinem Getreuen nichts, gar nichts von seinem inneren Erleben preis. Er könnte es nicht einmal in Worte fassen. Wie kann er Einsamkeit und Leere erklären ? Wie kann er beschreiben, was nicht ist ?

(Maria Calasanz Ziesche, Die letzte Freiheit)

„Zunächst: es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen; man muß es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere alte Gemeinschaft miteinander - wenn auch unter Schmerzen - zu bewahren.
Ferner: je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man muß sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst nur wie einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewiß ist, besitzt; dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus.

(aus: Dietrich Bonhoeffer, 
Widerstand und Ergebung, 
Briefe aus der Haft)

VON GUTEN MÄCHTEN

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute flammen,
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer, Dezember 1944)

DER MOND IST AUFGEGANGEN

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen ?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolzen Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglich’s trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
laß uns in Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder,
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns Gott mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

(Matthias Claudius)

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